Tränenwegsendoskopie

Die Miniaturisierung und Bildgebung chirurgischer Verfahren erweitert heute alle Bereiche der Medizin. In der Augenheilkunde spielt dabei die visuelle Darstellung in der Diagnostik und Therapie eine herausragende Rolle. Mit modernen Biomikroskopen, Operationsmikroskopen und computergestützten Imagingsystemen können nahezu alle relevanten Organstrukturen in der Augenheilkunde dargestellt werden.

Eine Besonderheit stellten bisher die ableitenden Tränenwege dar, jenes Apparates, der für den Abtransport der Tränenflüssigkeit von der Augenoberfläche über den inneren Lidwinkel bis in den Nasengang verantwortlich ist. Störungen der Tränenwege verursachen ein verstärktes Tränenträufeln und rezidivierende Entzündungen. In der Diagnostik waren Augenärzte auf indirekte Methoden der Darstellung und Funktion (diagnostische Spülung, Röntgenkontrastdarstellung) angewiesen. Mit der Einführung der Tränenwegsendoskopie wurde eine völlig neue diagnostische und therapeutische Methode geschaffen.

Ein derartiges miniaturisiertes Endoskop mit einem Durchmesser von nur 0,9 mm enthält einen Beleuchtungs-, einen Darstellungs- und einen Arbeitskanal und wird über die kleinen Tränenkanälchen am Lidrand eingeführt. Über kleinste Bündel von Lichtleitern kann so das System der ableitenden Tränenwege über eine digitale Videokamera dargestellt werden. Erstmalig gelingt der direkte Einblick in die Anatomie und Pathologie von Tränenkanalveränderungen in vivo ohne chirurgische Eröffnung.

Ein weiterer Vorzug ist die gleichzeitige Möglichkeit der Therapie. Hier können Verengungen (Stenosen), Entzündungen und Tränengangssteine direkt behandelt werden. Das vom Augenverein gestiftete Tränenwegsendoskopiesystem wird seit Jahren erfolgreich am Marien Hospital Düsseldorf bei der Diagnostik und Therapie eingesetzt. Die Verbindung von beidem schafft dabei eine höhere Sicherheit in der Beurteilung unterschiedlicher Krankheitsbilder und die Möglichkeit der zeit- und ressourcensparenden gezielten Therapie. 

Mit Hilfe des Endoskops kann zudem vollständig auf eine Röntgendiagnostik verzichtet und die Diagnosesicherheit deutlich gesteigert werden. So lassen sich ca. 70% aller krankhaften Veränderungen der Tränenwege mit dem Endoskop therapieren! Eine komplizierte und häufig auch komplikationsträchtige offene Chirurgie wird vermieden und die Rekonvaleszenzzeit maximal verkürzt. Die Eingriffe können außerdem in schonender Kurznarkose und häufig auch ambulant durchgeführt werden.


Vita Dr. Karsten Klabe

1967geb. in Malchin (Mecklenburg/Vorpommern)
1988-1993Studium der Humanmedizin an der Universität Rostock
1993-1994Universitätsaugenklinik Rostock unter Prof. Dr. R. Guthoff
1994-1996Augenklinik des Helios Klinikums Schwerin PD Dr. E. Koester
1996Promotion auf dem Gebiet der medizinischen Mikrobiologie zum Resistenzverhalten grampositiver Erreger gegenüber Betalaktamantibiotika und Gyrasehemmern an der Universität Rostock
1996-2000Universitäts-Augenklinik Bochum-Langendreer unter Prof. Dr. U. Gronemeyer
2000-2003Oberarzt der Augenklinik des Helios Klinikums Wuppertal (Direktor Prof. Dr. E. Gerke)
2003-2004Leitender Oberarzt der Augenabteilung des St. Martinus-Krankenhauses, Düsseldorf (Chefarzt PD Dr. K. D. Lemmen)
2004

Chefarzt der Augenklinik des Marien Hospitals Düsseldorf